Ein Stromausfall kommt selten gelegen – deshalb beschäftigen sich immer mehr Menschen mit der Frage: Wie kann ich mich darauf vorbereiten?
Besonders die aktuellen geopolitischen Ereignisse bewegen immer mehr Menschen dazu, sich mit der eigenen autarken Stromversorgung auseinanderzusetzen. Die Strompreise steigen durch weltweite Spannungen weiter an. Und auch hier in Deutschland merken Verbraucher die Auswirkungen der steigenden Energiepreise.
Auch in Deutschland kann es zu Stromausfällen kommen, wie das prominente Beispiel aus Berlin Anfang 2026 zeigt. Hier waren etwa 45.000 Haushalte betroffen und blieben teilweise über mehrere Tage ohne Strom.
Balkonkraftwerke bieten einen günstigen Einstieg in die autarke Stromversorgung. Sie helfen dir dabei, dich unabhängiger von steigenden Strompreisen und Netzversorgern zu machen.
Mythos vs. Realität: Balkonkraftwerk bei Stromausfall
Doch viele überschätzen, was ein Balkonkraftwerk bei einem Stromausfall wirklich leisten kann. Denn klassische Balkonkraftwerke mit Modulen und Wechselrichter liefern im Notfall keinen Strom, da der Wechselrichter zum Netzschutz bei einem Stromausfall abschaltet. Diese Funktion wird durch die Norm VDE-AR-N 4105 in Punkt 6.5 bei allen Wechselrichtern in Deutschland gefordert und ist daher verpflichtend für Hersteller umzusetzen.
Der größte Irrtum: Viele glauben, dass ein Balkonkraftwerk bei Stromausfall automatisch Strom liefert, das stimmt nicht.
Die entscheidende Komponente: Der Speicher
Ein Speicher mit Notstromfunktion ist entscheidend, damit Solarstrom im Blackout nutzbar ist. Der Speicher speichert den Solarstrom zur späteren Nutzung. Doch bei Speichern gibt es meist keine unbegrenzte Notstromversorgung. Denn auch bei Speichern schaltet die Netzeinspeisung aus Gründen des Netzschutzes ab.
Allerdings bieten viele Speicher via Notstromsteckdose eine Möglichkeit den erzeugten Solarstrom auch bei einem Blackout nutzen zu können. Das heißt, dass zu versorgende Verbraucher direkt an die Notstromsteckdose des Speichers angeschlossen werden müssen. Hierzu eignet sich beispielsweise eine Mehrfachsteckdose, an die die wichtigsten Verbraucher, wie Kühlschrank, Router oder Powerbanks angeschlossen werden können.
Die 4 Typen von Speicher-Systemen
Typ 1: Der einfache Speicher ohne Notstromfunktion
Diese einfachen Speicher sind darauf ausgelegt den Eigenverbrauch zu erhöhen. Sie bieten einige Vorteile:
- Kostengünstig
- Einfache Installation
- Erhöhte Nutzung des erzeugten Solarstroms
Der größte Nachteil bei solchen Systemen ist, dass der Strom bei einem Blackout nicht mehr nutzbar ist, da der Wechselrichter bei einem Stromausfall nicht mehr ins Hausnetz einspeist.
Diese Speicher sind gut für deine Stromrechnung und helfen dir mehr deines erzeugten Stroms zu nutzen. Allerdings werden diese Speicher bei einem Stromausfall nutzlos, da die Einspeisung ins Hausnetz stoppt.
Typ 2: Speicher mit Notstromsteckdose
Diese Speicher sind aktuell der Sweet Spot der autarken Stromversorgung. Sie ermöglichen dir die Nutzung von Solarstrom auch bei einem Blackout. Hierfür schließt du die für dich wichtigsten Verbraucher an die Notstromsteckdose des Speichers an. Dadurch ist der Speicher für dich auch bei einem Stromausfall nutzbar. Allerdings hat auch dieses System Grenzen: Da du nur Verbraucher über die Notstromsteckdose versorgen kannst, ist es nicht möglich fest angeschlossene Großverbraucher wie Herd oder Ofen zu versorgen.
Heutzutage verfügen fast alle Balkonkraftwerk-Speicher über eine solche Notstromsteckdose.
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Typ 3: Echte Notstrom-/Inselsysteme
Es gibt auch Systeme, die mehr als nur ein paar Verbraucher versorgen können. Diese Heimspeicher-Systeme mit Backup-Funktion ermöglichen es je nach Ausführung auch das gesamte Hausnetz mit Strom zu versorgen. Allerdings haben diese Systeme einige Nachteile im Vergleich zu den Speichern mit Notstromsteckdose:
- Sie sind teuer
- Benötigen die Installation durch einen Fachbetrieb
- Sind daher keine Plug-and-Play Lösungen
- Sind oft zu groß, um von Balkonkraftwerken ausreichend mit Strom versorgt zu werden
Aus diesen Gründen eignen sich solche Systeme oft nicht für Balkonkraftwerk-Nutzer. Mit einer PV-Anlage auf dem Dach, kann es durchaus sinnvoll sein sich mit solchen Speichern mit Backup-Funktion auseinander zu setzen.
Typ 4: Powerstations
Der letzte Speichertyp besitzt eine Komponente, die keine der oben genannten Lösungen in diesem Ausmaß liefert: Portabilität.
Mit mobilen Stromspeichern musst du keine endlos langen Verlängerungskabel von deinen Verbrauchern zum Speicher legen, sondern trägst die Powerstation ganz bequem zu deinen Verbrauchern und kannst die Powerstation dort aufstellen, wo sie wirklich benötigt wird. Auch für unterwegs sind Powerstations eine gute Lösung. Du kannst sie bequem mit faltbaren Solarmodulen aufladen und auch auf Reisen als deine eigene Stromversorgung nutzen.
Allerdings haben auch Powerstations Nachteile:
- Teurer Preis pro kWh im Vergleich zu Heimspeichern
- Oft keine große Kapazität
- Hohes Gewicht
Insgesamt sind Powerstations dennoch eine gute Lösung zur autarken Stromversorgung. Ganz besonders die Mobilität macht sie zu einzigartigen Lösungen bei Stromausfällen.
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Die 4 Typen in einer Übersicht
Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die verschiedenen Systeme in Bezug auf Kosten und Autarkie einordnen lassen – und welches am besten zu deinem Bedarf passt.

Vergleich verschiedener Balkonkraftwerk-Speichersysteme
| System | Kategorie | Kapazität | Notstrom | PV-Ladung parallel zu Entladung | Leistung je nach Modell | Besonderheiten |
| Anker Solarbank 3 PRO | Hybrid | 2,7 bis 16,2 kWh | þ | þ | 1.200 W | Versorgt einzelne Verbraucher |
| EcoFlow STREAM Serie | Hybrid | 1,9 bis 23 kWh | þ | þ | 1.200 bis 2.300 W | Zwei gekoppelte Speicher erhöhen Leistung auf 2.300 W |
| EcoFlow DELTA 3 Serie | Powerstation | 1 bis 10 kWh | þ | þ | 2.400 bis 3.000 W | Mobil einsetzbar, teurer als Heimspeicher |
| Hoymiles HiBattery | Eigenverbrauch | 1,9 bis 11,5 kWh | [þ] | ý | 800 W | Notstrom nur ohne PV, guter Einstieg |
| Jackery SolarVault 3 Serie | Hybrid+ | 2,5 bis 15 kWh | þ | þ | 1.500 bis 2.500 W | USV-Funktion: Schaltet bei Stromausfall automatisch auf Notstrom |
Wie lange hält der Strom wirklich?
Wie lange du Verbraucher aus deinem Speicher versorgen kannst, ist stark abhängig von der Größe und Anzahl der Verbraucher. Um das zu berechnen, sind folgende Daten nötig:
- Der Verbrauch des Verbrauchers (in Kilowatt)
- Die Laufzeit des Verbrauchers (in Stunden)
- Die Kapazität deines Speichers (in Kilowattstunden)
Als Faustformeln gelten:
Summe von (Leistung Verbraucher in kW * Nutzungsdauer in Stunden) = benötigte Kapazität in kWh
Kapazität in kWh / Leistung Verbraucher in kW = Nutzungsdauer Speicher in Stunden
| Verbraucher | Leistung | Nutzungsdauer | Verbrauch |
| Kühlschrank |
150 W |
Sommer: 8h |
1,2 kWh |
| Router |
15 W |
Sommer: 8h |
0,12 kWh |
| Ladegeräte | 25 W | 3 h | 0,075 kWh |
| Gesamt |
Sommer: 1,4 kWh |
Im Sommer ist die Nutzungsdauer geringer als im Winter, da die Verbraucher im Sommer länger vom direkt erzeugten Solarstrom versorgt werden können. Daher muss der Speicher weniger Zeit überbrücken.
Für diese drei Verbraucher benötigst du abhängig von der Jahreszeit etwa 2 bis 3 kWh. Solltest du mehr oder größere Verbraucher versorgen wollen, steigt die benötigte Kapazität an. Bilde dafür einfach die Summe aus Verbrauch mal Nutzungsdauer und du erhältst die für dich benötigte Kapazität.
Beachte: Viele Speicher haben eine Entladegrenze von beispielsweise 10 %, diese musst du in der Rechnung berücksichtigen.
Außerdem ist der Ertrag im Winter deutlich geringer als im Sommer, sodass es sinnvoll sein kann, die Anlage zu erweitern und mehr Module zu installieren, um im Winter dennoch einen ausreichend hohen Ertrag zu erzielen.
Die größten Missverständnisse bei der Notstromversorgung
Viele Menschen überschätzen die Möglichkeiten, die ein Balkonkraftwerk zur Notstromversorgung bietet. Hier sind die wichtigsten Klarstellungen:
- Balkonkraftwerke funktionieren nicht automatisch bei einem Blackout
- Speicher versorgen oftmals keine festen Stromkreise
- Entnehmbare Leistung ist begrenzt
- Im Winter ist die Nachladung geringer
Sei dir darüber im Klaren, wenn du ein Balkonkraftwerk mit Notstrom-Funktion planen solltest.
Für wen lohnt sich welches System?
Speicher ohne Notstrom-Funktion
- Ideal für Einsteiger, die erstmal einen BKW-Speicher testen möchten
- Preisbewusste Haushalte, die vorrangig die Stromrechnung senken wollen
- Für alle, die eine Plug-and-Play-Lösung suchen
Fokus: Einsparung, nicht Versorgungssicherheit
Speicher mit Notstrom-Steckdose
- Die beste Wahl für die meisten Haushalte mit Balkonkraftwerk
- Personen, die im Notfall Grundgeräte versorgen wollen
- Kühlschrank, Router, kleine Haushaltsgeräte
- Preis-Leistungs-orientierte Nutzer, die etwas Sicherheit wollen
Fokus: Praktische Notfalllösung ohne großen Aufwand
Speicher als echtes Notstrom System
- Hausbesitzer mit PV-Anlage
- Menschen mit starkem Sicherheitsbedürfnis
- Haushalte mit kritischer Infrastruktur (Heizung, Server, Aquarien etc.)
- Hohe Kosten
- Großer Installationsaufwand durch Fachfirma
- Große Dimensionierung notwendig
- Kann Teile des Hauses oder gesamtes Haus versorgen
Fokus: Echte Versorgungssicherheit und Autarkie
Powerstation
- Mieter und flexible Nutzer, die keine feste Installation wollen
- Outdoor- Camping- und Vanlife-Nutzer
- Haushalte, die gezielt einzelne Verbraucher absichern möchten
- Mobil → Strom kommt zum Verbraucher
- Höhere Kosten pro kWh
- Auch außerhalb der Wohnung einsetzbar
Fokus: Maximale Flexibilität
Mini-Checkliste: Welches System passt zu dir?
1. Was willst du absichern?
☐ Nur Stromkosten senken → einfacher Speicher reicht
☐ Kühlschrank, Router, Licht → Notstrom-Steckdose
☐ größere Versorgung / gesamtes Haus → echtes Notstromsystem
2. Wie lange soll es funktionieren?
☐ 2–6 Stunden → kleiner Speicher
☐ 1 Tag → ca. 2–3 kWh
☐ mehrere Tage → große Systeme + PV-Nachladung nötig
3. Soll das System im Blackout das gesamte Haus speisen?
☐ Nein → Hybrid / einfacher Speicher reicht
☐ Ja → echtes Notstromsystem nötig
4. Wie wichtig ist dir Einfachheit?
☐ Plug & Play → Balkonkraftwerk + Speicher
☐ maximale Sicherheit → installiertes System
Fazit
Balkonkraftwerke allein liefern keinen Strom bei einem Blackout. Erst mit dem richtigen Speicher wird daraus eine echte Notfalllösung – doch nicht jeder Speicher kann das. Während einfache Systeme nur den Eigenverbrauch optimieren, bieten Powerstations und echte Notstromsysteme eine unabhängige Versorgung. Entscheidend ist daher nicht die Größe des Balkonkraftwerks, sondern die Fähigkeit des Speichers, autark zu arbeiten.
Für die meisten Nutzer ist ein Balkonkraftwerk mit Speicher und Notstromsteckdose die beste Kombination aus Kosten, Einfachheit und Sicherheit.







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