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Einspeisevergütungen für Balkonkraftwerke

Andreas König
Einspeisevergütungen für Balkonkraftwerke

Können Betreiber:innen von Stecker-Solargeräten eine Vergütung in Anspruch nehmen? Hier erfährst du mehr über die Einspeisevergütung.

Update: Das Solarpaket I ist offiziell in Kraft getreten. Damit wurde auch die Obergrenze der Wechselrichterleistung von 600 Watt auf 800 Watt angehoben. Wenn dein Balkonkraftwerk noch auf 600 Watt gedrosselt ist, kannst du die Leistung also auf 800 Watt einstellen. Solltest du noch einen älteren, rückwärtsdrehenden Stromzähler haben, kannst du ihn übergangsweise weiter nutzen – bis der Netzbetreiber ihn austauscht. Außerdem musst du dein Balkonkraftwerk nur noch im Marktstammdatenregister anmelden und nicht mehr beim Netzbetreiber.

Balkonkraftwerke sind kleine, dezentrale Solarenergieanlagen, die auf Balkonen oder Terrassen von Wohngebäuden, aber auch im Garten, an Fassaden oder auf Flachdächern nachhaltig Strom erzeugen. Sie nutzen Photovoltaikmodule, um Sonnenlicht in elektrische Energie umzuwandeln. Der erzeugte Strom wird in der Regel direkt im Haushalt genutzt, wodurch die Stromkosten sinken.

Wenn du mehr eigenen grünen Strom erzeugst, als im Haushalt verbraucht wird, hast du drei Möglichkeiten, mit dem Stromüberschuss umzugehen:

  • Der überschüssige Strom fließt einfach ins öffentliche Stromnetz. Er wird dem Netzbetreiber praktisch geschenkt.
  • Der Strom fließt in einen Balkonkraftwerke-Speicher. Dann kannst du den überschüssigen Strom auch abends oder nachts verwenden, wenn die Sonne nicht mehr scheint.

  • Als Balkonkraftwerkbetreiber:in kannst du dir den eingespeisten Strom auch vergüten lassen. Darum geht es hier.

Was ist eine Einspeisevergütung?

In Deutschland ist eine Einspeisevergütung eine staatliche finanzielle Vergütung, die Energieerzeuger:innen gezahlt wird, die erneuerbaren Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Es geht also nicht nur um Balkonkraftwerke, sondern um erneuerbare Energiequellen im Allgemeinen wie Solar-, Wind-, Geothermie- und Biomasseanlagen.

Durch die Vergütung soll der Betrieb dieser Anlagen gefördert werden. Die Voraussetzungen und die Höhe der Vergütung sind im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Die Höhe der Vergütung hängt von verschiedenen Faktoren ab. So kommt es unter anderem darauf an, um welche Art der Energieerzeugung es sich handelt, wann die Anlage in Betrieb genommen wurde und wie leistungsfähig die Anlage ist. Diese Details sind hier nicht von Interesse, da es in diesem Artikel um Balkonkraftwerke geht, die manchmal auch als Steckdosen-Solaranlagen oder Mini-Photovoltaikanlagen bezeichnet werden.

Wie wird die Höhe der Einspeisevergütung festgelegt?

Wer Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt, ins Netz einspeist und eine Einspeisevergütung beantragt hat, erhält vom Netzbetreiber eine staatlich garantierte Vergütung, die für 20 Jahre festgelegt ist. Die Höhe der Einspeisevergütung variiert je nach Technologie und Zeitpunkt der Installation.

Die Vergütung wird zwar von den Netzbetreibern ausgezahlt, die Kosten werden jedoch über die Stromrechnung der Verbraucher finanziert, genauer gesagt über die EEG-Umlage, die im Strompreis enthalten ist.

Wie hoch ist die Einspeisevergütung für Balkonkraftwerke?

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht eine Vergütung von 8,2 Cent pro Kilowattstunde für eine Eigenverbrauchsanlage bis 10 kWp (Kilowattpeak, eine Maßeinheit, die die Nennleistung von Photovoltaikanlagen beschreibt) vor – das ist ein Balkonkraftwerk mit 600 oder 800 Watt. Die Vergütung gilt für angemeldete Anlagen, die ab Juli 2022 in Betrieb genommen werden und bis Januar 2024 in Betrieb gehen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um die Vergütung zu erhalten?

Die Anmeldung einer Balkonanlage ohne Einspeisevergütung ist relativ unbürokratisch. Einige Netzbetreiber bieten die Möglichkeit, die Anlage schnell und einfach über ihre Internetseite anzumelden. Bietet der Netzbetreiber keine Online-Anmeldung an, helfen Anlagenhersteller wie Yuma mit einem Musterbrief, den du einfach ausfüllen kannst. Neben dem Antrag muss auch das Datenblatt des Wechselrichters inklusive Konformitätserklärung eingereicht werden.

Mit dem sogenannten Solarpaket 1 der Bundesregierung soll die Anmeldung von Stecker-Solaranlagen weiter vereinfacht werden. So weit so gut. Kompliziert wird es jedoch, wenn du als Betreiber:in eines Balkonkraftwerks von der Einspeisevergütung profitieren willst. Dazu sind folgende Schritte notwendig:

  1. Anmeldung bei deinem Netzbetreiber – am besten schon vor der Installation.

  2. Der Netzbetreiber macht eine Netzverträglichkeitsprüfung und checkt, ob dein Stromzähler geeignet ist. Gegebenenfalls muss er gegen einen Zweirichtungs-Zähler ausgetauscht werden.

  3. Anmeldung der Mini-PV-Anlage im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur.

  4. Bis Juni 2023 musstest du dein Kraftwerk beim Finanzamt anmelden. Die gute Nachricht: Sofern dein Finanzamt nicht ausdrücklich eine Anmeldung verlangt und du mit deinem Solarstrom kein Gewerbe betreibst, brauchst du eine steuerbefreite Anlage nicht beim Finanzamt anzumelden.

  5. Wenn alles so weit fein ist und du zum ersten Mal Strom eingespeist hast, frage am besten nochmal bei deinem Netzbetreiber nach, ob du eine Fertigmeldung schicken sollst.

 

 

Update: Keine Balkonkraftwerk-Gesetzesänderung zum 01.01.24
Anders als erwartet, treten die im Solarpaket 1 enthaltenen Erleichterungen bei Balkonkraftwerken nicht zum 1. Januar 2024 in Kraft. In der Bundestagssitzung vom 15.12.23 wurden lediglich kleinere Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beschlossen, die in erster Linie Windkraftanlagen betreffen.

Das bedeutet, die für Balkonkraftwerk-Betreiber:innen relevanten Änderungen wie etwa die Aufhebung der 600-Watt-Grenze oder Duldung rückwärts drehender Stromzähler greifen nicht zum 01.01.24.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Die ausstehenden Regelungen des Pakets sollen zeitnah verabschiedet werden. Ein konkreter Zeitpunkt allerdings steht noch nicht fest. Wir halten euch in unserem Yuma-Magazin auf dem Laufenden.

Lohnt sich die Einspeisung von Solarstrom aus Balkonkraftwerken?

Um mit der Einspeisung Geld zu verdienen, musst du sehr genau rechnen. Wenn der Netzbetreiber auf Wunsch des Kunden einen Zweirichtungszähler installiert, fallen dafür einmalige Kosten von 100 Euro und mehr an. Für den laufenden Betrieb des Zählers berechnet der Netzbetreiber in der Regel eine Gebühr von 20 Euro pro Jahr.

Wer sich für eine Vergütung entscheidet, sollte also sicher sein, dass der Stromertrag so hoch ist, dass er die jährliche Messstellengebühr und die einmaligen Kosten für den Zähler übersteigt.

Fazit

Balkonkraftwerke sind darauf ausgelegt, das häusliche Stromnetz zu entlasten und die Haushaltskasse mit grünem Eigenstrom zu schonen. Sie sind daher nicht in der Lage, nennenswerte Strommengen zu produzieren, die nicht direkt verbraucht werden können.
Im Vergleich zum durchschnittlichen Haushaltsstrompreis 2023 von 37 Cent (Stand September 2023) ist die Einspeisevergütung mit 8,2 Cent sehr gering. Betreiber von Balkonkraftwerken sparen daher am meisten, wenn sie möglichst viel des selbst erzeugten Stroms auch selbst verbrauchen – oder in einem speziellen Balkonkraftwerk-Speicher speichern. Denn dann müssen sie weniger teuren Strom vom Netzanbieter beziehen.
Hinzu kommt der bürokratische Aufwand, der deutlich höher ist als bei der vereinfachten Anmeldung einer Mini-PV-Anlage ohne Vergütungsoption.
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Andreas König

Als Content-Manager kümmert sich Andreas bei Yuma um Redaktionelles. Hier nutzt er seine Erfahrung aus dem technischen Vertrieb und diversen Redaktionen, um über News und Wissenswertes zur Photovoltaik zu informieren.